
Galaxy Nexus - Die neue Referenz?
Android-Smartphones haben schon vor wenigen Monaten Apples iPhone in den Verkaufszahlen überflügelt. Qualitativ trifft dies aber bisher noch auf wenige Smartphones zu. Mit dem Galaxy Nexus und der neusten Version des Android Betriebssystems mit Namen "Ice Cream Sandwich" soll die Messlatte für Android Smartphones nun auf ein neues Level gelegt werden.
Die Smartphones der Nexus-Reihe wurden bisher von Motorola und Samsung im Auftrag Googles gefertigt, Samsung mit mit dem neuen Nexus Smartphone nun bereits zum zweiten mal an der Reihe. Bei vielen Anwendern sind die Nexus Smartphones beliebt weil Sie mit dem originalen Stock Android ausgeliefert werden, die jeweiligen Hersteller haben also keine Veränderungen am Betriebssystem vorgenommen und z.B. eigene Oberflächen oder Apps installiert.
Diese Veränderungen an der Oberfläche - Sense bei HTC, Motoblur bei Motorola und TouchWiz bei Samsung - sorgen letztendlich dafür, dass es gefühlte Ewigkeiten dauert, bis eine neue Android Version für diese Smartphones angepasst wird. Da liegt auch der entscheidende Vorteil der Nexus Smartphones, denn neue Android Versionen sind quasi sofort für diese Geräte verfügbar.
Die Anpassungen der Hersteller haben aber nicht nur Nachteile, denn ein Stock Android war bisher relativ unansehnlich und erst die Anpassungen der Hersteller brachten hier schicke Widgets und Oberflächen. Bei Android 4.0 ist dies anders, diese Version bringt bereits von Haus aus einen sehr flexiblen und grafisch schicken Launcher mit entsprechenden Widgets mit.
Aber schauen wir uns das neue Android Flagschiff einmal im Detail an.
First Look
Da ich vor dem Nexus I9250 ein Samsung Galaxy Note verwendet habe, kam mir das Nexus nach dem Auspacken gerade zu winzig vor. Im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones fällt aber auf, dass es dennoch nicht gerade klein ist. Mit seinem 4,65" Display ist es aber dennoch nur minimal größer als ein Samsung Galaxy S2.
Samsung-typisch dominiert bei diesem Gerät wieder einmal der Kunststoff, der Mix aus verschiedenen Kunststoffen & Aluminium sowie die insgesamt hochwertige Verarbeitung lässt das Gerät dennoch relativ wertig erscheinen. Eine optische Besonderheit ist, das das Gerät eine leichte Biegung aufweist, in der Praxis bringt das keine Nachteile und fällt auch eher nicht auf, aber dieses Design kann auch von Vorteil sein. Liegt das Smartphone mit dem Display nach unten auf dem Tisch, ist dieses vorm Verkratzen geschützt.
Mit einem Gewicht von 135g ist das Gerät ein wenig schwerer als das Galaxy SII, diese Gewichtszunahme tut dem Gerät meiner Meinung nach aber sehr gut. Es liegt so deutlich besser in der Hand ohne "schwer" zu wirken.
Technische Daten
Es war von Anfang an klar, dass sich das Gerät hier keine Schwächen erlauben würde, Prozessor, RAM, Display - alles ist "state of the art" und genügt höchsten Ansprüchen, möchte man dennoch das Haar in der Suppe suchen, so landet man letztendlich bei der Kamera und dem nicht erweiterbaren internen Speicher, später im Test dazu aber mehr.
| Display | 4,65" SuperAMOLED Touchscreen, kapazitiv, 16 Millionen Farben Displayauflösung 720 x 1280 |
| Größe | 135,5 mm x 67,9 mm x 8,9 mm |
| Gewicht | 135g |
| Gesprächszeit Standby | - bis zu 8,5h - bis zu 210h |
| Akku | 1.750 mAh, Li-Ion wechselbar |
| Speicher | 16GB interner Speicher, nicht erweiterbar |
| Kamera | - 5 Megapixel - Frontkamera mit 1280x1024 - Videoauflösung: 1920x1080 (1080p) |
| Prozessor | TI OMAP 4460 1.200 MHz DualCore |
| RAM | 1GB |
| Betriebssystem | Android 4.0.2 (Icre Cream Sandwich) |
| Konnektivität | - HSDPA bis 21 MBit/s - HSUPA bis 5,7 MBit/s - WLAN bis IEEE 802.11n (600 MBit) - MHL - NFC - GPS - GSM / UMTS - Bluetooth 3.0 - USB 2.0 - TV Out (digital) |
Display
Wie so oft setzt Samsung auch hier wieder Maßstäbe. Samsung verbaut hier eines der ersten HD Displays in einem Smartphone. Das Display wirkt extrem scharf und leuchtstark. Die hohe Auflösung von 720 x 1280 Pixeln ist fast Tablet-Standard - aber auf viel geringerem Raum.
Multimedia
Auch wenn der Multimedia-Bereich nie der Schwerpunkt der Nexus-Modelle war, so kann das Gerät auch hier durchaus überzeugen. Würde man Kritikpunkte suchen wollen, so wären dies auf jeden Fall die Kamera und der nicht erweiterbare Speicher. Auch der Lautsprecher könnte etwas kräftiger und lauter sein.
Auf den ersten Blick wirkt die Kamera wirklich etwas antiquiert. 5 Megapixel scheinen nicht mehr zeitgemäß, dabei sind die Megapixel gar nicht mal entscheidend, viel wichtiger ist eine hochwertige Optik. Grundsätzlich wirken die Bilder nicht schlecht. Bei guten Lichtbedingungen können Sie sogar durchaus überzeugen, auch wenn Sie nicht an die Qualität des Kamera-Primus Galaxy SII heranreichen. Die Defizite werden erst deutlich wenn die Lichtbedingungen schlechter werden. Die Bilder verwackeln hier schnell und das Bildrauschen nimmt deutlich zu. HD-Videos wirken relativ kontraststark und farbreich aber auch hier gibt es durchaus bessere Vertreter.
Bemängeln kann man sicher auch die fehlende Erweiterbarkeit des Speichers. Zwar sind 16GB interner Speicher verbaut und mir persönlich und vielen anderen Nutzern dürfte das für alle Ewigkeit reichen. Aber Nutzer die Wert darauf legen ihre gesamte Musiksammlung immer und überall dabei zu haben werden hier sicher irgendwann an die Grenzen stoßen und sich eine Erweiterbareit über microSD Karten wünschen. Ärgerlich ist auch dass sich nicht wie beim Galaxy SII USB-Sticks per Adapter anschließen lassen.
Dennoch kann man dem Galaxy Nexus in der Gesamtheit gute Multimedia-Fähigkeit bescheinigen, auch wenn es nicht der Schwerpunkt des Geräts ist.
Konnektivität
Immer wichtiger sind heutzutage auch die Datenfähigkeiten eines Smartphones. Außer LTE sind beim Galaxy Nexus aber alle aktuellen und relevanten Standards wie HSDPA+ und HSUPA integriert. Lediglich Bluetooth 4.0 hat noch nicht den Weg in das Gerät gefunden, was aber mangels Bluetooth 4.0 Geräten noch vernachlässigbar ist. Dafür ist das Galaxy Nexus eines der ersten Geräte in das NFC (Near Field Communication-Technologie) integriert ist. Das erlaubt z.B. die einfache Übertragung von Daten zwischen zwei NFC Geräten oder auch auch Zahlungsanwendungen und ähnliches. So ist es z.B. mit der Paypal-App möglich, nur durch Berühren von 2 NFC Geräten Geld zwischen diesen beiden zu übertragen.
Geocaching
Wie jedes aktuelle Smartphone wurde auch dieses auf seine Geocaching-Funktionalität getestet. Da es weder stoß- noch wasserfest ist, muss das Gerät natürlich vorsichtig behandelt werden und ist nicht besonders Lost Place-tauglich. Mit entsprechenden Schutzhüllen und Cases kann dies aber ändern.
Wichtig für Cacher ist natürlich auch die Qualität des GPS-Signals. Im Praxistest gab es hier keinerlei Defizite. Der GPS-Fix ging sehr schnell von statten und auch die Genauigkeit weiß zu überzeugen. Im Outdoor-Test war das Galaxy Nexus ähnlich genau wie das Galaxy S2 und lag auf dem Niveau meines Magellan eXplorist 310. Auch bei schlechten Empfangsbedingungen – beispielsweise in Waldgebieten – ist das GPS-Signal noch brauchbar, auch wenn hier eine Abweichung von bis zu 5m zum Magellan auftrat.
Die Akku-Laufzeit im Navigationsbetrieb ist ebenfalls recht gut. Fiel die Akku-Kapazität des Galaxy S2 nach einer Stunde Navigationsbetrieb von 99% auf 63% so zeigte der Akku des Galaxy Nexus noch eine Kapazität von 72% an. Für den längeren Outdoor-Einsatz wird man aber auch mit dem Nexus nicht um ein externes Akku-Pack, wie beispielsweise das Raikko AccuPack 5200, herumkommen.
Akku
Zweifelsohne ist der Akku eine der Stärken des Geräts. Noch während des ersten Probierens hatte ich aber einen gegenteiligen Eindruck. Erstmals vollgeladen war der Akku noch schneller leer als der meines Galaxy S2. Nach mehreren Lade-/Entlade-Zyklen zeigt sich nun aber ein völlig gegenteiliges Bild. Der 1.750 mAh (Vergleich: 1.650 mAh beim Galaxy SII) Akku zeigt sich in der Praxis als äußerst leistungsstark und ausdauernd. Hierzu dürfte auch Android 4.0 einiges beitragen, gelten doch nicht selten wie aufwändigen, eigenen Bedien-Oberflächen der Hersteller als eigentliche Akkufresser. Android 4.0 scheint hier sehr effizient zu arbeiten und ermöglicht Nutzungszeiten von knapp 2 Tagen, bei wirklich intensiver Beanspruchung.
Fazit
Beim Test des Samsung Galaxy Nexus stellt sich sofort dieses "Will haben-Gefühl" ein. Dazu trägt vor allem Android 4.0 bei, dieses erscheint wesentlich aufgeräumter, flexibler, schicker als 2.3 oder 3.0 - die Oberfläche wirkt äußerst elegant, das Wischen in Apps oder auf den Homescreens funktioniert äußerst "smooth" wie ich es bisher nur vom iPhone oder Windows Phone 7 Geräten kannte.
Aber auch das Gerät selber hat mich überzeugt. Mit den kleinen Defiziten bei Kamera und Speicher kann ich leben, Samsung und Google ist meinen Augen dennoch ein sehr gutes Komplettpaket gelungen.
Ein Wermutstropfen ist aber auch sicher der Preis. Zwar ist der Straßenpreis gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung von 679€ deutlich gefallen. Aber derzeit muss man immer noch gute 500€ auf den Tisch legen um Besitzer des Galaxy Nexus zu werden.
Shopping-Tipp
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